HVS Pokal Viertelfinale
OHC Bernstadt – SG LVG Leipzig 21:30 (13:16)
Es gibt Sachen „zwischen Himmel und Erde“, welche man nicht erklären, nicht begreifen kann. Ich muss heute länger ausholen. Viel länger. Ich kann nicht anders. Unter der Woche brachte mir Gerd „Gorden“ Möse ein Meisterwerk Oberlausitzer Handwerkskunst. Einen selbstgefertigten Altan mit einem Herrnhuter Stern. Unfassbar schön. Zum Innehalten, zur Andacht, zur Freude und zur Trauer. Mit OHC Logo. Mit Renate Otto und Dietmar Böhmer wollten wir heute zwei prägende Menschen der letzten Jahrzehnte in unserer OHCfamilie würdig verabschieden. Ich hatte für den Altan noch den Zettel gedruckt. Stellte diesen, von der Arbeit kommend, in die Teeküche und ging in den Regieraum und bemerkte eine „gedrückte Stimmung“. Ich weiß gar nicht mehr, wer mir die Nachricht sagte. Torsten Fritzsche ist gestorben. Ich stand und saß, es rauscht in meinen Ohren. Ich war gelähmt. Was? Dachte ich mir. Fratscher? Gestern Abend noch beim Fasching und heute sollte er mit Gaggi den Ausschank übernehmen. Was? Was? Keker kam und wir umarmten uns. Wie leidende Männer. Und irgendjemand sagte nun die Trauer für Renate und Dietmar ab. Wegen des Einlaufprotokolls. Ich heulte Rotz und Wasser und ergriff das Mikrophon. Ich weiß nicht, was ich gesagt habe. Fratscher und Himmel. Und zuschauen. Der Handball verkam in diesem Augenblick zu einem kleinen unbedeutenden Etwas. Ich konnte nicht NICHTS sagen. Vor dieser Rekordkulisse, welche zum großen Teil in blau gekleidet ein Handballspektakel sehen wollte. Es war alles so irrational. So weit weg. SO WEIT WEG. Fratscher. Legende. Du fehlst. Und irgendwie muss ich ja doch zum Spielbericht kommen. Wir haben nach dem Spiel 298 Zuschauer angegeben. Ausverkauft. Weil: ausverkauft. Mehr als 300 Zuschauer gehen offiziell nicht rein. Teile der Leipziger konnten das nicht fassen. Vor so einer Kulisse spielen sie sehr selten. Als Tabellenzweiter der Sachen-Oberliga. Ja, leider kann Luis doch nicht spielen. Ist als zusätzlicher Motivator auf der Bank. Und das braucht es erst mal. Hypernervös ist ja eigentlich die Untertreibung des Jahres. Der OHC startet völlig deplatziert in die Partie. Von alt bis jung, von erfahren bis Jungspund… total „fickrig“. Neben mehreren Würfen und Pässen bekommen wir auch die ersten drei 7m allesamt nicht rein. Es dauert bis zur NEUNTEN Minute, eher Curd Mautsch den Bann bricht. Zum 1:3. Denn auch die Leipziger sehen sich einer konzentriert agierenden Abwehr mit zwei top agierenden Torleuten (Basti und Ploci) gegenüber. Das ist der „Spielbreak“. Der OHC kommt Stück für Stück ran. 3:4 nach Treffern von Curd und Patrick. A, die haben schon klasse Leute in ihren Reihen. Wenn der Igor Ziegler Ruiz hochsteigt… 3:6. Aber der OHC hat ja auch seine Körner… wir bleiben dran. In der Abwehr sehr konsequent und nach vor treffen wir nun auch. Tony trifft, Falko zum 6:7 und Patrick gleich dreifach zum 9:9. Nach 21 Minuten. Der OHC kann in dieser Phase mithalten. Die Würfe aus der zweiten Reihe fehlen noch…Hannes Höhne mit einem Kontertor der Extraklasse zum 12:13 nach Traumpass von Basti. Die Halle berstet schon jetzt. Und Erwin, der 2Meter Killer, im 1:1 und macht ihn zweimal so knallhart. Zum 13:14. Das Spiel ist auf Augenhöhe und der OHC zeigt eine Toppleistung. Dann kommt der Cut…Mehrfach. Zum einen machen die Gäste binnen von 60 Sekunden noch zwei Tore, zum anderen kassieren wir noch eine 2 Minuten kurz vor der Halbzeitsirene. Dem Unglück der letzten Minute der ersten Halbzeit folgt ein Unvermögen. Was die Männer in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit anboten, grenzte schon an Arbeitsverweigerung. Ja, Leipzig spielt die Überzahl clever aus. Aber wir sind völlig von der Rolle. Leipzig nun wie ein Spitzenteam in der Oberliga und wir kämpfen mit den Gebrechen des Alltags… die Durchschlagskraft fehlt und insgesamt 5 Tore werden dem OHC, aus verschiedensten Gründen, aberkannt. Leipzig zieht weg. + 6, +8 Tore sind die Messestädter weg. Eine deutlich reifere Spielanlage, die Räume werden zu Chancen und diese zu Tore genutzt. Ploci nimmt sich mehrere Bälle, Wolff-artig, und hält den OHC im Lot. Aber einfachste Fehler passieren… wieder und wieder. Das Publikum sieht das und unterstützt sein Team. Und so geht es in die letzten Minuten. Georg mit mehrfach schönen Hüftwürfen. Jeder Treffer wird bejubelt. Aber diese Chancen….dieses Auslassen von klarsten Möglichkeiten. Naja, und in den letzten Minuten mit einer Doppel Strafe…vorbei. Der OHC verliert mit neun Treffern. Ein: Was wäre wenn… ist nicht angezeigt aufgrund von neun Toren Differenz. Nur in Gedanken hätte man mal spinnen dürfen… Gut. Wir haben zu überwiegenden Teilen (mal abgezogen die jeweils ersten 10 Minuten jeder Halbzeit) einen tollen Handball gespielt und ein Spitzenteam der Oberliga mehrfach Rätzel aufgegeben. Leipzig ist verdient ins sächsische Halbfinale eingezogen. Uns verschlägt es nächste Woche in der Meisterschaft nach Weinböhla, wo ich meinem Freund Martin Kovar eine unangenehme Nachricht überbringen muss. Am 7.März würde ich mich freuen, wenn die Halle zum Heimspiel gegen Radeberg wieder so toll das Team unterstützt. wir.zusammen.OHCfamilie. Euer Alex
Der OHC mit: Lucas Plociennik, Sebastian Thomas, Falko Böhmer(1), Stefan Deutschländer(1), Steve Höhne, Tony Ulbrich(2), Erwin Möse(2), Hannes Höhne(1), Georg Katzer(4), Laurens Marschke, Kevin Lukas Adler, Jordan Schmitz, Curd Mautsch(2), Hannes Schneider, Patrick Michel
Team: Jens Heinze, Torsten Katzer, Sören Pörsel, Jessica Sommerfeld, Luis Kahle
